Merlin Roth

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KI braucht Wachstum. Sonst frisst sie ihre eigene Akzeptanz.

· Merlin Roth

Gestern Abend saß ich im Heinz Nixdorf MuseumsForum bei „Führung mit KI“. Dr. Johannes Busold von der Liz Mohn Stiftung hat einen richtig guten Vortrag gehalten. Die Diskussion danach war wild. Und genau die hat mir am meisten gebracht.

Das Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn in der Abenddämmerung: Glasfassade mit beleuchteten Fenstern, davor Vorplatz und Fahnen

Zuerst fiel mir auf, wie unterschiedlich weit die Firmen im Raum sind. Ein Teilnehmer erzählte, dass man Urlaubsanträge bald nur noch mit einem Haken genehmigt. Da musste ich kurz schlucken. Das ist Digitalisierung, und zwar auf dem Stand von vor zehn Jahren. Bei uns füllt seit Ewigkeiten niemand mehr einen Papierzettel aus. Mit KI hat das wenig zu tun. Aber es zeigt, wo manche großen Unternehmen gerade stehen.

Dann die Stimmung. Ein Teil der Runde hatte spürbar Angst. Vor Jobverlust, vor Abhängigkeit, und vor allem vor der eigenen Machtlosigkeit. Viele wissen schlicht nicht, wo sie anfangen sollen. Der andere Teil war euphorisch und sah in KI die Lösung für fast alles. Einen Konsens gab es am Ende nicht.

Das passt zur Studie, die Busold vorgestellt hat. Die Liz Mohn Stiftung hat mit Ipsos 1.000 Führungskräfte befragt. Nur etwa ein Drittel nutzt KI regelmäßig. Rund 60 Prozent sehen die Chance auf eine lernende Organisation, ungefähr genauso viele fürchten Überwachung und Abhängigkeit. Angst und Euphorie im selben Raum. Oft sogar im selben Kopf.

Und dann kam mein eigentlicher Aha-Moment.

KI bringt Effizienz. Das bestreitet niemand. Aber was macht ein Unternehmen mit der gewonnenen Zeit? Wenn es wächst, neue Produkte baut oder neue Märkte erschließt, wandert die frei gewordene Kapazität in neue Arbeit. Wenn es nicht wächst, bleibt eine einzige Rechnung übrig: gleiche Arbeit, weniger Leute.

Die Belegschaft kann rechnen. Sobald Mitarbeitende merken, dass jeder Effizienzgewinn einen Kollegen kostet, beginnt ein Verteilungskampf. Wer teilt dann noch seinen besten Workflow? Wer zeigt freiwillig, wie er seine eigene Aufgabe automatisiert hat? Die Akzeptanz fällt gegen null.

Die Zahlen stützen das. Die TU Darmstadt hat herausgefunden, dass ausgerechnet Menschen mit viel KI-Wissen am meisten um ihren Job fürchten. Aufklärung allein löst das Problem also nicht. Und eine weltweite Befragung von ADP kommt zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte ohne diese Angst deutlich produktiver arbeiten. Angst frisst genau die Effizienz, die KI eigentlich bringen soll.

Für mich heißt das: Wer KI einführt, braucht zuerst eine Wachstumsgeschichte. Nicht „Wir sparen fünf Stellen“, sondern „Wir schaffen mit denselben Leuten deutlich mehr“. Man spart dann trotzdem Personal, nur eben relativ. Das Unternehmen stellt langsamer ein, als es wächst. Gehen muss niemand.

Bei Akubu stecken wir mitten im Wechsel von Dienstleistung zu eigenen SaaS-Produkten. Jede Stunde, die KI uns spart, fließt genau dort hinein. So will ich das auch im Team erzählen.

Nach dem Vortrag ging es übrigens noch in eine literarische Führung durchs HNF. Auch wild, aber auf eine ganz andere Art. Dazu ein andermal mehr.

Ausstellung im HNF: Vitrine mit einem historischen Computerbauteil vor einem Schwarz-Weiß-Foto, im Hintergrund der ENIAC-Bereich

Wie ist das bei euch: Spart ihr mit KI Leute, oder wachst ihr damit?